Interview mit dem französischen Bürgermeister Jean-Marie Masson
Barthélemy Dacquet, ein Student aus St.-Aubin-lès-Elbeuf, hat dieses Interview während seines 8-wöchigen Praktikums in Pattensen vorbereitet: 
14 Jahre war Herr Blanquet Bürgermeister von St.-Aubin-lès-Elbeuf, nun haben Sie am 11. Juli 2009 das Amt übernommen. Nach nunmehr 1 ½ Jahren Jahr Amtszeit möchten wir Ihnen gerne ein paar Fragen stellen: 
H. Masson, welche Bilanz ziehen Sie nach den 1 ½ Jahren Ihrer Amtszeit als Bürgermeister? 
Ich möchte zuerst einmal präzisieren, dass es zwischen Jean-Pierre Blanquet und mir seit langem abgestimmt war, dass ich sein Amt weiterführen werde. Dies hat es ermöglicht, dass die schon früher angestrengten und die aktuellen Vorhaben wie geplant weiterlaufen bzw. begonnen werden können.
 
Dieses Jahr ist also für mich keine „Revolution“, sondern eine „Evolution“.
Was ist nun passiert in diesem Jahr?
 
  1. Folgende Maßnahmen im Rahmen der Stadtplanung konnten zum Abschluss gebracht werden, die Unterbringung der Stadtverwaltung auf dem Gelände der ehemaligen Industrie-Brache der Fa. Manopa, die Schaffung von Wohnungen auf dem ehemaligen Gelände der Post, sowie die Schaffung von Wohnraum auf dem städtischen Terrain der rue Gambetta.
  2. Es war ein kulturell reiches Jahr mit Musik, Kunst, Ausstellungen, Konferenzen und Konzerten, hier insbesondere die Aufführung der Oper „La Traviata“ von Guiseppe Verdi. Der Erfolg macht uns Mut, auch im Bereich der Gesangskunst weiterzumachen.  
Was hat Sie bislang am meisten geprägt? 
Etwas, was mich beunruhigt, ist die generelle Entwicklung unserer Gesellschaft: Es gibt kaum noch Unternehmungsgeist, kühne Gedanken, innovative Gedanken, ... stattdessen zieht sich jeder zurück und beschränkt sich auf sich und die kleinen Errungenschaften. Das sieht man auf industrieller und wirtschaftlicher Ebene, aber auf der Vereinsebene. Anstelle der Solidarität und des Teilens sehe ich eine Haltung von Individualismus, Anspruchsdenken und Ichbezogenheit.
 
Dieser Haltung wird in St.-Aubin-lès-Elbeuf glücklicherweise entgegengewirkt durch das Zusammenwirken der städtischen Mannschaft, der Qualität der städtischen Dienste sowie des Engagements der Beschäftigten. Der Wille in der Stadt St.-Aubin-lès-Elbeuf die typischen Merkmale der Geselligkeit und guten Lebensstandards beizubehalten - sei es bei der Kinderbetreuung, der Freizeitangebote für Jugendliche, Aktivitäten für die Älteren - schafft einen gemeinsamen Konsens.

Was hat Sie am meisten gefreut? 
Was mich am meisten gefreut hat? Die erste Antwort hierauf bezieht sich nicht auf den dienstlichen Bereich. Am meisten hat mich gefreut, dass ich vor einem Jahr zum 6. Mal Großvater geworden bin.

Was den dienstlichen Bereich betrifft, so ist die Antwort, bzw. die Auswahl schwieriger: „La Traviata“, die ich bereits einmal zitiert habe (ich mag Opern sehr), aber auch die sportlichen Darbietungen der ehemaligen Sportstars, die vom Kick Boxing organisiert waren.
Dann gibt es noch das Miteinander der Generationen, wo das „Café der Generationen“ zu nennen ist, die schulischen und vielerlei sportlichen Erfolge und nicht zu vergessen die Qualität unser Jugendfreizeiten und die Treffen im Rahmen unserer Städtepartnerschaft.
Und ein ganz anderes Gebiet: die Bereitstellung von komfortablen Wohnungen, die von Bauunternehmen in enger Abstimmung mit der Stadtverwaltung errichtet worden sind.
  
Was bedauern Sie am meisten? 
Was ich meisten bedauere?
-          Dass ich nicht alles so schnell machen kann, wie ich es gerne tun würde, wie z. B. den Ausbau des Geländes „D1“, das hinter dem Rathaus liegt, wo eine Vorschule untergebracht werden soll, ebenso wie die Musikschule, ein Veranstaltungssaal, ein Vereinshaus sowie Wohnungen.
-          Durch die Reformen (die ich etwas chaotisch finde), kann ich die künftige Entwicklung im Bereich der Gebietskörperschaften und der Staatsfinanzen nicht ausreichend abschätzen, Außerdem werden lokalen Serviceleistungen wegfallen.
 
 
Das Amt des Bürgermeisters erfordert viel Zeit und Aufmerksamkeit. Was hat sich hier geändert im Vergleich zu Ihrem bisherigen Amt als Stv. Bürgermeister? 
Bei meinen vielen Aktivitäten, die ich noch zusätzlich ausgeübt habe, musste ich mich entscheiden. Z. B. habe ich Kurse gegeben, Vorträge gehalten und hatte mich an Gruppenarbeiten beteiligt, die Forschungsarbeit betreiben. Das musste ich alles beenden, um ausreichend Zeit für alle Aufgaben zu haben, die der Bürgermeister der Stadt St.-Aubin-lès-Elbeuf zu erfüllen hat.
 
St.-Aubin verfügt über Mitarbeiter, die über eine sehr große Kompetenz verfügen, die sehr um die Belange der Bürger bemüht sind und sich ihrer Stadt verbunden fühlen. Das ist für den Bürgermeister ein wertvoller Trumpf, der es mir ermöglicht, neben den dienstlichen Belangen noch anderen Aktivitäten, die mich mit Menschen zusammenbringen, weiterhin nachgehen zu können.
Aber was ich nicht opfere, das ist die Zeit für meine Enkelkinder. 
 
Sie haben an verschiedenen Treffen im Rahmen der Städtepartnerschaft teilgenommen (Jugendfreizeit, Cavalcade, ....) Wie sind diese Begegnungen abgelaufen? 
Die Teilnahme an Begegnungen, die im Rahmen der Partnerschaft mit Pattensen stattfinden, sind immer eine große Freude. Nehmen wir das Beispiel der Jugendfreizeit: das große Einvernehmen, das sich unter den Jugendlichen beobachten lässt, die nicht die gleiche Sprache sprechen, aber sich doch vollkommen verstehen, lässt mich mit größter Dankbarkeit an diejenigen denken, die unsere Städtepartnerschaft geschaffen haben.
Natürlich gibt es manchmal Schwierigkeiten, sei es die Absage von Teilnehmern, seien es Terminschwierigkeiten. Aber Dank der einvernehmlichen Sichtweisen, Einstellungen und Überzeugungen die beide Städte antreiben, finden wir immer eine Lösung.
 
Ich bin seit mehr als 25 Jahren bei den Begegnungen mit Pattensen im Rahmen der Partnerschaft - und auch außerhalb der Partnerschaft - dabei. Mein erster Aufenthalt in Pattensen war ganz und gar privat und die Tatsache, dass ich Bürgermeister geworden bin, verändert in keinster Weise die Freundschaft, die sich im Laufe eines Vierteljahrhunderts aufgebaut hat. Im Gegenteil, es ist ein Vorteil, den ich nutzen kann, um diese Verbindungen noch weiter auszubauen und zu verfestigen.  
 
Können Sie uns etwas von Ihrem ersten Treffen mit Herrn Griebe, dem Bürgermeister der Stadt Pattensen erzählen?
Als ich das erste Mal mit Herrn Griebe zusammentraf? Das war der 8. Februar 1997. Wir hatten zu der Zeit ein befreundetes deutsches Ehepaar aufgenommen, das wir schon seit langem kannten. Jean-Pierre Blanquet fragte mich, ob wir noch ein weiteres Ehepaar aufnehmen könnten. Es handelte sich um Herrn und Frau Griebe. Der Kontakt war sofort sehr herzlich und ich wusste nicht, dass Günther Bürgermeister werden würde.
Sie sehen, dass die Freundschaft zwischen unseren beiden Städten keine Partnerschaft von „Persönlichkeiten“ ist, sondern von Freunden. 
 
Welches sind Ihre Vorhaben und Ziele für das nächste Jahr? 
Die Ziele für das nächste Jahr? Ich habe zahlreiche Ziele, vielleicht zu viele. Aber wie ich bereits gesagt habe, bin ich etwas unter Druck.
Was die Partnerschaft betrifft, so möchte ich die Verbindung ausbauen, um der Entwicklung unserer Gesellschaft Rechnung zu tragen. Z. B. könnte ich mir vorstellen, Personen mit einzubeziehen, die einsamer als wir leben. Mit Vereinen, die sich aufgrund eines Handikaps (z. B. Schwerhörigkeit / Taubheit) im allgemeinen etwas Abseits stellen. Es wäre außerdem schön, Möglichkeiten des Austausches von Jugendlichen aufzutun, die sich in der beruflicher Ausbildung befinden.
 
Hinsichtlich der städtischen Entwicklung denke ich an den Beginn der Baumaßnahme D1, (hinter dem Rathaus gelegen) und die Neugestaltung der Esplanade de Pattensen (Rathausvorplatz), die als Folge der aus Sicherheitsgründen erforderlichen gewordenen Baumfällungen etwas verunstaltet ist.
 
Für unsere jungen und weniger jungen Einwohner planen wir, die Neugestaltung der Räumlichkeiten, die zu klein geworden oder die nicht mehr angemessen sind, sowie die Unterstützung von Minderbemittelten, um auch ihnen ein Studium zu ermöglichen.
 
Unsere Mitbürger, die sich in schwierigen Situationen befinden, müssen wir in folgenden Punkten unterstützen: Hilfe für alleinstehende Personen, Unterstützung von Familien bei Verlust des Arbeitsplatzes, Finden von geeigneten Lösungen für soziale Schwierigkeiten, die unsere Bürger treffen können.
 
Die Baustellen sind zahlreich und sehr unterschiedlich. Es sind somit alle Zutaten vorhanden, einen neuen Bürgermeister in Begeisterung zu versetzen. 

Termine

Partnerstädte von Pattensen

Mit Städten im Ausland ist die Stadt Pattensen freundschaftlich verbunden. Pattensen unterhält eine Städtepartnerschaft mit 

Pattensen ist ferner patenschaftlich verbunden  

  • mit der schlesischen Gemeinde Wilxen-Schreibersdorf
  • mit den Gemeinden Fischbach, Bärndorf, Neudorf und Södrich im Riesengebirge/Schlesien