Die 7 Weltwunder, deren die alte Stadt Pattensen sich rühmt, sind von Generation zu Generation mündlich überliefert.
Es sind:
- Ein Kirchturm ohne Spitze
- Eine Leuchte ohne Licht.
- Eine Wache ohne Soldaten.
- Eine Mühle ohne Wasser.
- Wälle ohne Kanonen.
- Ein Tal, das höher liegt als der Damm.
- Ein Schützenfest ohne Musik.
In einem Gedicht von Dr. Friedrich Daniel, Rechtsanwalt und Notar, geheimer Justizrat und Bürgermeister in Pattensen von 1873 bis 1891, aus dem Jahre 1874, "Die sieben Widersprüche" genannt, werden in drei Positionen andere "Weltwunder" angesprochen:
Wälle ohne Kanonen, ein Tal, das höher liegt als der Damm und ein Schützenfest ohne Musik sind nicht dabei. Bleiben also zunächst die ersten vier, die offensichtlich seit mehr als hundert Jahren unumstritten sind:
Der "Kirchturm ohne Spitze", wie er bei Bürgermeister Daniel noch heißt, bestand bis 1873; in der Zeit davor hatte die Pattenser St.-Lucas-Kirche ein flaches Dach, Ergebnis eines Dachstuhlbrandes infolge eines Blitzeinschlages; auf dem Dach brütete jahrelang ein Storchenpaar.
"Die Leuchte ohne Licht" scheint keineswegs nur ein vorübergehender Zustand gewesen zu sein; auch sie wird bei Dr. Daniel schon erwähnt: Der Gasthof "Zur Leuchte" an der Göttinger Straße war ohne Außenbeleuchtung, kein Licht wies dem Reisenden den Weg.
Eine Militärwache ohne Soldaten" beschreibt die Alte Wache an der Göttinger Straße, die, als Garnison im Jahre 1838 errichtet, nach ihrer Fertigstellung nie die Stationierung von Soldaten erlebte, wahrscheinlich gab es keinen Anlass mehr dazu. Das Gebäude wurde schon 1874 als Polizeistation genutzt, wie Dr. Daniel berichtet.
"Eine Wassermühle ohne Wasser" schließlich war damals wie heute die Mühle an der Göttinger Straße, am Fuchsbach gelegen; heute ist sie nicht mehr in Betrieb, damals war laut Dr. Daniel der Wasserstand im Bach über längere Zeiträume so niedrig, dass der Müller seinen Mahlgang auf Dampfbetrieb umrüsten musste.
Anstelle der drei letzten obengenannten "Weltwunder" nennt Bürgermeister Daniel eine
"Burg ohne Schloss", das ist das jetzige Rathaus Auf der Burg; ein "Holz ohne Baum und Strauch", was, wen könnte es wundern, die Pattenser Feldmark meint, spezielle dort, wo sie im Westen damals "Pattenser Holz" hieß; und "Stadt und dennoch Dorf", womit unser schönes altes Pattensern selbst angesprochen wird.
Mit den heute landläufig formulierten "Weltwundern" hat es die folgende Bewandtnis:
Wälle ohne Kanonen umgürten die Pattenser Altstadt auf der Südseite, am Schäferkamp; dort haben früher, ganz gewiss zum Beispiel im Bereich der heute noch sichtbaren Bastion, Kanonen gestanden.
Die Erneuerung der Stadtbefestigung verdankte die Stadt Herzog Erich I. (1470-1540).
Ein Tal, das höher liegt als der Damm, meint die höhergelegene Talstraße im Vergleich zur Dammstraße, letztere trägt ihren Namen jedoch nicht von einem Damm als Aufschüttung, sondern von dem Knüppeldamm, auf dem früher der Weg durch den sumpfigen Untergrund führte.
Das Schützenfest ohne Musik, also ein Pattenser Schützenfest, dessen Veranstalter die Einplanung der Musik vergessen hatte, würde noch heute als Weltwunder gelten!