Jean-Pierre Blanquet - Visionär und Baumeister
Bürgermeister seit 1995, in St.-Aubin seit 1974 – Jean-Pierre Blanquet bereitet sich darauf vor, ein Kapitel abzuschließen. Er tut dies nicht ohne Emotionen. Derjenige, der den Menschen als Baumeister-Bürgermeister im Gedächtnis bleiben müsste, erzählt von der Freude, die ihn all die Jahre begleitet hat ...
„Ich gelange jetzt zum Abschluss meines öffentlichen Lebens, aber ich habe so sehr Gefallen daran gefunden mit den einen und den anderen zusammenzuarbeiten und dies in einem Miteinander, das in unserer Region Elbeuf einzigartig ist, dass zweifellos das Kapitel schwer abzuschließen sein wird, wenn es dann soweit ist.“ Und es wird für Jean-Pierre Blanquet sehr schwierig werden dieses Kapitel abzuschließen, denn als er Bürgermeister von St.-Aubin wurde, ist er schon vorher gut 25 Jahre als Generalsekretär im Rathaus der Stadt tätig gewesen.
Nach seiner Tätigkeit bei der SNCF (frz. Eisenbahngesellschaft) kam er in die Stadtverwaltung von Grand-Quevilly, „einer exzellenten Schule“, wo er alles gelernt hat, bevor dann 1974 die lange und schöne Liebesgeschichte mit St.-Aubin-lès-Elbeuf begann. „Die SNCF habe ich nie gemocht. Umso mehr Gefallen hatte ich immer an der Arbeit im öffentlichen Dienst des Landes. Nach 11 Jahren in Grand-Quevilly, wo ich in allen Bereichen tätig gewesen bin und bei jedem Wechsel stets mehr Verantwortung übernommen hatte, bekam ich Lust auf eine neue Herausforderung.“
Als sich André Gantois, Bürgermeister zu jener Zeit, an ihn wendet, gibt es viel zu tun – in allen Bereichen. „ Er hat mir vertraut und mir freie Hand gelassen. Ich hatte alle Freiheiten, um neue Methoden einzuführen.“
Unter der Leitung von Jean-Pierre Blanquet wird das erste große Vorhaben im Städtebau in Angriff genommen: le Quesnot. Schon zu dieser Zeit interessiert ihn dieser lokale Aspekt des Lebens und bei dem Generalsekretär scheint bereits der künftige Bürger- und Baumeister durch. Auch wenn die Risiken kalkulierbar waren, hat ihm dieses Programm ermöglicht, seine Auffassung von Verantwortlichkeit nach vorne zu bringen. „Aber auch wenn man die Freiheit zum Handeln hat - man ist nicht der Bürgermeister. Wenn Du Bürgermeister bist, bist Du alleine. Das ist der große Unterschied. Die beiden Ämter haben nichts miteinander zu tun.“ Als René Héroux, der Nachfolger von André Gantois, 1995 entscheidet, aus Jean-Pierre Blanquet, seiner grauen Eminenz, seinen Thronfolger zu machen, knirschen einige Zähne – eine Mischung aus Neid, Misstrauen und Enttäuschung – aber der Übergang klappt gut. „Meine Kollegen sagten mir, dass ich Schwierigkeiten haben würde, mich von der Etikette des Generalsekretärs zu befreien. Zu Beginn habe ich mich gerne zurückgenommen, bevor ich dann wider meinen Willen die Leitung bei den gemeinsamen Besprechungen der Abteilungsleiter übernommen habe – bis Jean-Michel Pérol kam. Während dieser ersten Mandatszeit fühlt er sich nicht als Inhaber eines Postens, fühlt sich „nicht rechtmäßig“. Er nutzt dies, um die Methoden zu ändern und alle kommenden großen Vorhaben vorzubereiten. Die Umsetzung erfolgt in der zweiten Mandatszeit mit dem ersten großen Coup: Les Foudriots. Das war der Durchbruch. Wir durften zeigen, was wir konnten – jeder auf seinem Gebiet. Sowohl die Politiker als auch die Beamten. Jean-Pierre Blanquet erkennt an, dass er das Glück hat, von kompetenten und äußert einsatzbereiten Abteilungsleitern (die sich ihrer Aufgabe hingeben) umgeben zu sein, „Eine fantastische Mannschaft mit den unterschiedlichen Charakteren. Aber ein Gespann, das nicht leicht zu führen ist. Das Räderwerk zu kennen erweist sich als Vorteil und der Bürgermeister stellt sein ganzes Wissen zur Schau.“ Das Ziel ist, das Ziel zu erreichen. Was ich möchte ist: vorwärtskommen“, fasst er zusammen.
Die Errichtung des „Foudriot“ ist sein großer Stolz als Bürgermeister. „Andere Vorhaben haben wir ebenfalls begonnen, aber die werde ich nicht bis zum Schluss begleiten“. Jean-Marie Masson, den er zu seinem Erben gemacht hat, wird die Aufgabe haben, diese Projekte zuende zu führen. Übrigens bearbeiten die beiden Männer seit der zweiten Hälfte dieser Mandatszeit diese Bauprojekte zusammen und beide haben hier daher den gleichen Kenntnisstand . „Es ist schön, Bürgermeister zu sein, weil man etwas tun kann.
Man handelt nicht im Auftrage eines anderen. Das ist es, was unsere Stärke ausmacht. Das macht „Spaß“. Man hat das Gefühl, die Situation beherrschen zu können, man weiß, dass man der Bevölkerung etwas gibt. Das ist so in keinem anderen Amt, in das man gewählt werden kann, möglich.“
Auch wenn Jean-Pierre Blanquet – hauptsächlich aus familiären Gründen – nach Grand-Quevilly zurückgekehrt ist, verheimlicht er nicht, dass er „St.-Aubin liebt wie eine Geliebte: ich bin jeden Tag der Woche da, auch am Wochenende. Mein Leben ist dort.“ Das ist auch der Grund dafür, dass er Mitglied im Rat bleiben wird, wenn er die Geschäfte an seinen jetzigen 1. Stellvertreter abgegeben haben wird. Es geht auch darum, dass man nicht von heute auf morgen aufzuhören braucht, man kann die Rolle des Weisen spielen oder man kann auch einen Sitz im Personal-Zentrum für Kommunalbeamten des Departements behalten.
Er gibt zu, dass er im Laufe der vergangenen 13 Jahre einen großen Gefallen an der Arbeit im Großraum gefunden hat, wo er mit den sozialen Aufgaben befasst ist sowie mit den Thema Wasser und Entwässerung. Quer durch alle Reihen gesehen – politisch - und obwohl er es zudem mag, die einen oder anderen zu necken, steht dies nicht der Tatsache im Wege, dass er „mehr als freundschaftliche Beziehungen zu seinen Kollegen unterhält, ohne sich mit deren Empfindlichkeiten zu befassen“ Didaktisch, ja sogar pädagogisch, sucht er immer den Konsens und lehnt es ab, mit Stärke vorzugehen.
Einziger Überlebender des langen Weges der Annäherung mit Pattensen, initiiert im Jahr 1976, hat er im Jahr 2003, den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland dafür erhalten, dass er all die langen Jahre diese Partnerschaft mit Leben gefüllt hat. „Eine Ehre, die durch mich auf St.-Aubin zurückfällt.“
Wenn es nun darum geht, Bilanz zu ziehen und man alle Aufgaben betrachtet, die einem Bürgermeister übertragen sind, so ist ihm doch der Bereich des Bauens der liebste. „Etwas tun können, Einfluss auf die Zukunft einer Gemeinschaft ausüben zu können. Das ist es, was interessant ist.“ Und in diesem Bereich hat St.-Aubin das Glück, in Jean-Pierre Blanquet einen Visionär gehabt zu haben, der der Beherrschung des Bodens
seit 30 Jahren vorzugreifen verstand. Eine Politik, die sie sich im Laufe des letzten Jahrzehnts beschleunigt hat und die ermöglicht, die Konturen der Kommune in den Jahren 2015 – 2020 am Horizont zu erkennen.